Karl May

Eine Kindheit in Armut

Die Bedingungen, unter denen der später so berühmte Autor das Licht der Welt erblickte, waren von Anfang an hart. Als fünftes von insgesamt vierzehn Kindern wurde Karl May am 25. Februar 1842 im sächsischen Ernstthal geboren.
Ernstthal Da sein Vater Heinrich May als Weber nur ein geringes Einkommen für eine so große Familie besaß, herrschte in Karl Mays Elternhaus bittere Armut. Von Karls dreizehn Geschwistern starben neun schon in frühster Kindheit.

Bereits kurz nach seiner Geburt erblindete Karl durch einen Augenfehler und durch extreme Mangelernährung aufgrund einer Dürre in seinem Geburtsjahr. Da gute Ärzte nicht bezahlbar waren, kam es zu keiner richtigen Behandlung, so dass der Junge das Sehen völlig verlernt - für Karl May bestehen die ersten Jahre seines Lebens in der Erinnerung nur aus Stimmen und Tasterfahrungen, die durch seine Phantasie ergänzt werden.

Da er sich ständig in der Obhut seiner Großmutter befand und diese ihn mit einem reichen Schatz an Märchenerzählungen unterhielt, mag diese Zeit die Quelle von Karl Mays lebhafter Vorstellungskraft gewesen sein.

Feder

Erst im Alter von fünf Jahren, als seine Mutter in Dresden an der Chirurgisch-Medizinschen Akademie ihre Hebammen-Prüfung mit großem Erfolg ablegte, gelang es dort, den Jungen durch eine Operation von seiner Erblindung - und zudem von einer Rachitis - zu heilen. Die lange Zeit der Blindheit beeinflusst Karl May jedoch für immer:

" Das ist die Erklärung zu allem, was man an mir lobt, und zu allem, was man an mir tadelt. Nur wer blind gewesen ist und wieder sehend wurde, und nur wer eine so tief gegründete und so mächtige Innenwelt besaß, daß sie selbst dann, als er sehend wurde, für lebenslang seine ganze Außenwelt beherrschte, nur der kann sich in Alles hineindenken, was ich plante, was ich tat und was ich schrieb, und nur der besitzt die Fähigkeit, mich zu kritisieren, sonst keiner!"

Trotz der armen Verhältnisse bekam Karl May eine intensive schulische und private Ausbildung, weil sein Vater wollte, dass sein Sohn einmal in besseren Verhältnissen leben sollte - dabei waren die "Lehrmethoden" des Vaters oftmals sehr gewalttätig, ungeordnet und von der Menge her gänzlich übertrieben.
Einen Ausgleich zu dieser strengen Lernarbeit boten die Erzählungen von Karl Mays Paten, dem weitgereisten Schmied Christian Weißpflog.