Karl May
 

Winnetou wird von dem tödlichen Schuß getroffen und stürzt vom Felsen - erstarrt sitze ich vor dem Fernseher und kann es gar nicht fassen. Es passiert kein Wunder mehr, der edelste aller Apachen liegt tot am Boden und auch sein Freund Old Shatterhand kann ihn nicht mehr retten. Als der Abspann von Winnetou III über den Bildschirm zieht, haben meine Eltern alle Mühe, ein völlig in Tränen aufgelöstes achtjähriges Mädchen zu beruhigen - mit geringem Erfolg.

Ob Karl May sich eine solche Szene denken konnte, als er seine Geschichten schrieb? Er hat, als einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller, unser Bild vom Wilden Westen, den Indianern, Trappern und Schurken, den Siedlern, Soldaten und ihren ewigen Konflikten so sehr geprägt, dass es uns wie die Wirklichkeit erschien. Dabei hatte Karl May die fernen Lande, über die er schrieb, vorher nie selber gesehen. Seine Phantasie war die Quelle für die schillernden und spannenden Berichte über Reisen nicht nur in den Norden Amerikas, sondern auch in das wilde Kurdistan.

Auf eine andere Weise, aber nicht weniger spannend war das eigene Leben des Schriftstellers Karl May, über das die wenigsten seiner begeisterten Leser von damals und heute Bescheid wissen. Karl May war nicht nur ein Mann mit vielen bewegenden Ereignissen in seinem Leben, sondern von einer beeindruckenden moralischen Integrität, die sich auch in seinen Romanen widerspiegelt.